Wortsalat

Der Duden definiert den Begriff Denglisch als ein sogenanntes Kofferwort – eine Mischung aus deutschen und englischen Begriffen in einer Konversation – hier als stark und übermäßig empfunden. Es gibt einen ähnlichen Begriff im Englischen für die Mischung von Spanisch und English – Spanglish. Bis zu einem bestimmten Grad ist die Integration von Wörtern aus einer anderen Sprache ein natürlicher Prozess, der kontinuierlich stattfindet. Ein prominentes Beispiel ist die Integration von deutschen und holländischen Wörtern in die russische Sprache im Zusammenhang mit der von Zar Peter I. angestoßenen Öffnung und Modernisierung Russlands. Mit der Übernahme von Technologien – hier im Schiffbau und der Navigation – wurden auch viele neue Wörter aus den Ursprungsländern integriert. Mатрос (Eng: sailor; Deu: Matrose), верфь (Eng: shipyard; Deu: Werft), каюта (Eng: cabin, Deu: Kajüte), штурман (Eng: navigator; Deu: Steuermann), and рюкзак (Eng: backpack, Deu: Rucksack) sind prominente Beispiele. Unlängst suchte ich nach der deutschen Übersetzung des Wortes „blog“ und Google offerierte schließlich, dass diese Wort in das Deutsche übernommen wurde und als „Blog“ lediglich grammatikalisch angepasst wurde. Ich entschied mich trotzdem für meine persönliche Übertragung – hier Journal – mit dem Bestreben es bedingt durch die unregelmäßigen Einträge von einem Tagebuch zu unterscheiden. Der Integrationsprozess von englischen Woertern in die deutsche Sprach wird als Anglizismus bezeichnet. Der Wortsalat, der mit Denglisch oder Spanglish beschrieben wird, muss allerdings nicht nur aus dem persönlichen Antrieb des Redners entstehen, sondern kann auch dadurch bedingt sein das ein mehrsprachiger Redner nicht über das nötige Vokabular verfügt oder Schwierigkeiten hat zwischen zwei Sprachen zu wechseln. In den Sprachwissenschaften ist dieser Prozess ein signifikantes Untersuchungsfeld. Wie sich herausstellt ist der Sprachwechsel in kurzer Folge in sich ändernden Umstaenden ein komplexer kognitiver Prozess. Um in eine neue Sprache zu wechseln, muss die andere Sprache unterdrückt werden. Dieser Prozess braucht Zeit und hängt von der Tiefe des Wissens der jeweiligen Sprache ab. Wissenschaftler messen die Verzögerung der Reaktion, wenn ein Mehrsprachler aufgefordert wird, Objekte in wechselnden Sprachen zu beschreiben.  Diese Woche konnte ich das aus erster Hand erleben. Das Ergebnis war, dass ich ein kleines Mädchen, dass für ihre Pfadfinderorganisation Kekse verkaufte, total verwirrt zurückließ. Ich hatte gerade an einem Spanischtreffpunkt in einem lokalen Supermarkt teilgenommen, wo wir für ca. eine Stunde Spanisch gesprochen hatten, und war auf dem Weg zum Auto. Nur wenige Schritte von ihrem Stand entfernt erinnerte ich mich, dass meine Frau und ich immer gerne eine bestimmte Sorte dieser Kekse gegessen haben. Sie nannten sich Samoa Kekse. Also drehte ich um, um nach diesen Keksen zu fragen. Zu meiner eigenen Überraschung hörte ich mich selbst die Frage auf Deutsch stellen!  Sogleich bemühte ich mich den Fehler zu beheben und auf Englisch zu fragen. Das ging viel langsamer als erwartet, denn nebenbei suchte ich auf ihrem Tisch nach meinen Keksen, was mir ermöglicht hätte einfach drauf zu zeigen. Während ich ihren Tisch mit den Augen überflog und die mir von früher bekannte Verpackung nicht fand, musste ich außerdem feststellen, dass mir nun der Name der Kekse entfallen war! Ich versuchte sie zu beschreiben, aber auch das war schließlich nicht erfolgreich. Also bedankte ich mich und marschierte los. Später wieder zu Hause fand ich heraus dass es die Samoa Kekse nicht mehr gibt und diese durch eine neue Sorte – Caramel deLites – ersetzt worden sind. Auch sieht die Verpackung anders aus. Bei nächster Gelegenheit werde ich noch einmal zu dem Stand des Mädchens gehen – diesmal mit einer vorher gut geprobten Frage nach den richtigen Keksen. Mit meinen neuen Erkenntnissen lässt sich der Wortsalat sicher vermeiden!

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